Was vor 125 Jahren in den USA, seit 1890 auch in Österreich Tradition ist, wird seitdem jährlich weltweit begangen: der Erste Mai.
Dieser Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter fand 1886 auf den Straßen Chicagos sein blutiges Debüt. Die Gewerkschaften organisierten tagelange Proteste auf der Straße für eine Arbeitszeitreduzierung. Der „Haymarket Riot“ – wie der Aufstand der Arbeiterinnen und Arbeiter von damals bezeichnet wird – war ein Protest für die Einführung des Acht-Stundentages, dem die Polizei mit einem Blutbad, der Ermordung von 17 ArbeiterInnen und Verletzung von Hunderten, begegnete. Zudem wurden diejenigen ArbeiterInnen, die als Anführer der Proteste galten, vor Gericht gestellt und vier von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Lebenslage der ArbeiterInnen damals wird gerne als unschöner Teil der Geschichte behandelt, der in dieser Form nicht mehr zur „zivilisierten“ Welt gehört. Was für eine Heuchelei!
Arbeitszeit wird verlängert!
Heute wird der so hart erkämpfte Acht-Stundentag zu einem Privileg einer immer kleiner werdenden Schicht der ArbeiterInnenklasse. Zusätzlich zu der in vielen Branchen üblichen 40-Stunden Woche werden durchschnittlich noch weiter 8 Stunden in der Woche an Überstunden geleistet. Zwar wird gerne von UnternehmerInnen argumentiert, dass die ArbeiterInnen von sich aus den Wunsch nach Überstunden haben. Dieser „Wunsch“ von uns ArbeiterInnen ist jedoch mehr als verständlich, wenn man sich den Niedergang der durchschnittlichen Lohnhöhe im Zeitraum der letzten zwanzig Jahre vor Augen hält. Von Jahr zu Jahr wird es schwerer, den Lebensstandard zu halten ohne dafür seine eigene Arbeitszeit permanent nach oben schrauben zu müssen. Zudem werden die Arbeitszeiten immer flexibler gehalten. Ob am frühen Morgen, späten Abend oder am Wochenende – immer mehr ArbeiterInnen müssen auch zu diesen Zeiten Lohnarbeit leisten und können dabei nur hoffen, dass die Zuschläge nicht schon wieder um ein Viertel oder mehr gekürzt werden.
Während die Gewerkschaft am Ersten Mai in Chicago 1886 auf der Straße für die Rechte der ArbeiterInnen eingetreten ist und die Proteste organisiert hat, ist die Gewerkschaftsspitze in Österreich heute lieber mit faulen Deals beschäftigt, die letztenendes auf unserem Rücken ausgetragen werden. Sogar das größte Sparpaket der Zweiten Republik wurde im Herbst 2010 von der Gewerkschaftsspitze mitgetragen, immerhin galt es für sie ja die eigenen materiellen Vorteile zu sichern. Mit Chauffeur im teuren, neuen BMW-Schlitten zu Sitzungen vorfahren könnte ja sonst sehr bald der Geschichte angehören, wenn man mit Protesten und Streiks die eigene Sicherheit aufs Spiel setzt.
Wir müssen uns die Gewerkschaften zurückholen!
Was wir heute nach wie vor aus der Tradition des Ersten Mai lernen können, warum auch heute noch der Erste Mai ein zentraler Kampftag sein muss, wird damit klar: Wir werden nach wie vor als ArbeiterInnen ausgebeutet, als Jugendliche, als Frauen, MigrantInnen, Minderheiten unterdrückt. Das System ist nach wie vor der Kapitalismus, in dem die Interessen der ProfitmacherInnen über die Interessen unserer Klasse gestellt werden. Auch erfahren wir einen permanenten Verrat durch die „VertreterInnen“ an der Spitze der Gewerkschaften.
Um den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung wieder konsequent führen zu können, brauchen wir eine starke und kämpferische Bewegung an der Basis der Gewerkschaften. Wir müssen Forderungen an die gewählten VertreterInnen stellen, denn solange sie an den Schalthebeln der Gewerkschaft sitzen, müssen wir sie unter Druck setzen und die Gewerkschaft so gut es geht für die Interessen der Lohnabhängigen nützen. Allerdings dürfen wir keine Sekunde lang Illusionen darüber haben, dass die BürokratInnen tatsächlich unsere Interessen vertreten könnten.
Basisstrukturen aufbauen!
Wir müssen daher auch eine starke Kontrollinstanz in den Gewerkschaften durch die Gewerkschaftsmitglieder schaffen, damit die FunktionärInnen sofort Konsequenzen erfahren, wenn sie unsere Interessen wiedermal zu ihrem eigenen Nutzen verraten.
Für regelmäßige Versammlungen an der Basis und der jederzeit möglichen Abwählbarkeit aller FunktionärInnen!
Für den Sturz des Kapitalismus!
Verbinden wir den gewerkschaftlichen Kampf mit dem Kampf gegen das System, den Kapitalismus, als solchen! Denn jeder Sieg innerhalb der Grenzen des Kapitalismus ist bloß ein Sieg auf Zeit. Immer wieder werden unsere Errungenschaften wieder abgebaut, immer wieder setzt sich die Profitgier der UnternehmerInnen und ihrer Handlanger in der Politik durch. Kämpfen wir daher für jede Verbesserung, die es für uns unmittelbar geben kann. Verbinden wir diesen Kampf mit dem Aufbau einer revolutionären Partei, die uns im Kampf für den Sturz des Kapitalismus durch eine Revolution und für den Aufbau einer gerechten – einer sozialistischen – Gesellschaft organisiert!
Gestern wie heute gilt: Der erste Mai ist unser Kampftag, der Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter, für die Befreiung aus dem kapitalistischen System!
Keine Zukunft ohne Sozialismus! Kein Sozialismus ohne Revolution! Keine Revolution ohne Partei!